PUBLIKATION

Magazin Andante

ZUSAMMENARBEIT

Severin Jakob (Foto)

TEXT

Sabine Windlin

DATUM

15.10.2025

DER HüHNERSTALL IST SEIN DING

 

Vor zwei Jahren ist Jeffrey Mannale in eine Wohngemeinschaft der Stiftung andante nach Steckborn gezogen. Der Ort ist für ihn zu einem zweiten Zuhause geworden.

 

Der 25-jährige Panama-Schweizer wohnt seit rund zwei Jahren im Stammhaus der Stiftung andante in Steckborn. Sein Zimmer liegt im Erdgeschoss und bietet einen wunderschönen Blick in den Garten. Womit wir auch schon beim Thema wären: Jeffrey mag die Natur, ist gerne an der frischen Luft und gehört zum Gartenteam.

 

Je nach Saison gestaltet sich seine Tätigkeit unterschiedlich. Im Sommer kümmert er sich um die Gemüsebeete, erntet Blattsalat, Tomaten, Gurken, Kohlrabi und anderes mehr. Oder er wässert die vielen verschiedenen Schnittblumen, die farbenfroh um das Haus gedeihen. Im Herbst sticht Jeffrey unter Anleitung der andante-Gartenprofis die Beete um. Dann greift er zur Bodenfräse: einer Maschine mit zwei Griffen und zwei Rädern, mit der die Erde gelockert wird. Jeffrey findet es spannend zu sehen, wie das Gemüse wächst und frisch vom Garten auf dem Speiseplan der Wohngemeinschaft landet. Neulich wurden die Äpfel und Birnen von den Bäumen gepflückt, zur Weiterverarbeitung an einen Hof geliefert und dort zu Saft verarbeitet. Frisch ab Presse kam das Getränk wieder zu andante, wo es zum Zvieri serviert wurde.

 

Jeffrey kann im Garten jene Arbeiten erledigen, die ihm gut von der Hand gehen und Spass machen. Zum Beispiel Unkraut jäten. Was manche Hobbygärtner scheuen, bereitet Jeffrey viel Freude und erledigt er motiviert und zuverlässig. Nicht zuletzt dank ihm sind die Kieswege so akkurat gepflegt. Nach einem intensiven Tag im Garten begleitet Jeffrey die andante-Mitarbeiter gerne mit dem Bus zur Entsorgungsstelle der Gemeinde, wo das Gartenmaterial deponiert wird. Mit Abstand am liebsten kümmert sich Jeffrey jedoch um den Hühnerstall. Jeden Morgen um 8 Uhr versorgt er die Tiere mit Wasser, füttert sie, lässt sie ins weitläufige Aussengehege und sammelt die frisch gelegten Eier ein. «Ich liebe Eier», berichtet Jeffrey und strahlt. Seine Spiegeleier mit Speck und Zwiebeln, die er mit reichlich Butter in der Pfanne brutzelt, sind legendär.

 

Der Auszug von seinem vertrauten familiären Umfeld vor zwei Jahren war für Jeffrey ein grosser Schritt. Doch mittlerweile hat er sich hier gut eingelebt. Für andante hat er sich entschieden, nachdem er in verschiedenen Institutionen geschnuppert hat. «Hier hat es mir am besten gefallen», erzählt er. Einmal pro Woche ist Jeffrey in der Textilwerkstatt der Stiftung tätig. Diese befindet sich ganz in der Nähe des Stammhauses und ist in zehn Minuten zu Fuss erreichbar. Am Webstuhl entstehen hochwertige Tischtücher, Servietten und andere Kunsthandwerke, die auf unterschiedliche Weise in den Verkauf gelangen.

 

Seine Freizeit verbringt Jeffrey gerne mit seiner Freundin Stephanie, die im gleichen Haus wie er wohnt. Gemeinsam malen sie, hören Musik oder machen einen Spaziergang am See. Auch schon hat er sie zu einem Kebab in Steckborn eingeladen. Jeffrey kennt den Restaurantbesitzer mittlerweile persönlich. «Er ist mein Kollege», meint er stolz. Einmal pro Woche fährt Jeffrey mit der Thurgauer Turbo-Bahn nach Bottighofen zum Sport. Ist das Wetter weniger gut, vertreibt er sich die Zeit in seinem Zimmer und fertigt an seinem Schreibtisch farbige Bilder mit kleinen, bunten Steinen. Jedes zweite Wochenende besucht er seine Eltern und Geschwister in Winterthur, trifft seine Neffen und Nichten, die ihm viel bedeuten. Neulich unternahm die Familie zum Geburtstag der Mutter gemeinsam eine Velotour mit dem E-Bike. Der Ausflug war für Jeffrey ein Highlight.

 

Apropos Höhepunkt: Kürzlich war er mit dem andante-Team am Zeppelin-Flughafen in Friedrichshafen und konnte beobachten, wie die imposanten Luftschiffe aus der riesigen Halle manövriert wurden, wie sie starteten und landeten. Entdeckt er einen Zeppelin am Himmel, der still seine Runden dreht, beobachtet Jeffrey das Gefährt genau und malt sich aus, wie es wäre, eines Tages selber darin zu sitzen. Jeffrey weiss, wie man sich an den schönen Dingen des Alltags erfreut und steckt mit dieser positiven Ausstrahlung das ganze Team in Steckborn an.